My Guardian Heartbreaker

Aus dem Leben eines Golden Retrievers

oder einfach

"Paul erzählt" von Werner Schuster


Seite 2

 

24.10.2017

 

Jetzt reicht’s!!

Hund, bin ich geladen! Ich bin hundteufelswild und stinktiersauer!! Ilko hat geschrieben und jetzt reicht’s mir, ich bin bedient... Hier bitte, lest selbst:

Guten Tag mein allerliebster Bruder Paul,

Viele Grüße aus so einem komischen Land, das im Norden am Meer liegt, ganz platt ist und mit vielen Radfahrern. Da sind wir gerade mit unserem eigenen Hotel auf 2 Räder, ähm mit Auto glaub‘ ich gar 6 oder 7 Räder??? Das ist hinten am Wagen dran und komplett eingerichtet. Egal. Hauptsache ich bin dabei und ich werde auch chauffiert. Das macht der Dalo gerne, denn er hat sich extra vom Bilder-Anschauen frei genommen. Nein du hast richtig gelesen der Dalo als Radiologe hört nicht Radio sondern schaut Bilder an.

A propos Taxi. Ja, da staunst du, wir haben sogar 2 Wasser-Taxis! Eines, von dem du dachtest ich müsse Fische fangen. Das ist so eine Art Gondel, die aber dem Dalo zu langsam war und er hat daran einen Stecken befestigt, nein nicht meiner vom Garten, sondern einen Gekauften mit einem ganz großen, dreieckigen Putzlappen und ab ging die Post! Vor Freude habe ich richtig gebellt. Jedoch als wir da in Frankreich waren hatten weder Dalo noch Kadi Bock mit mir Gondel zu spielen, also suchte ich mir ein anderes Wassertaxi mit einer attraktiven Chauffeuse. Als ich zu ihr bin, erschreckte die Frau sich so, dass sie beinahe ins Wasser geplumpst wäre. UPS, das lass‘ ich dann in Zukunft doch lieber sein, denn schließlich bin ich ein Heartbreaker und kein Bonebreaker. Habt ihr gewusst, dass es in Frankreich welche gibt, die in Massen an den Straßen stehen und Radfahrern zuschauen? An dem Tag war der Hund los und die Fahrräder! Wir standen dabei und haben gewartet auf eine ganze Horde Radfahrer, die so blöd sind, dass sie möglichst schnell die Berge hoch und runter fahren, stell dir diese Energieverschwendung mal vor! Und für was der ganze Stress frag ich mich?
Doof - und so was nennt sich (hat mir die Kadi erzählt) Tour de France. Übrigens hast du mich im Fernsehen gesehen damals? Ich hoffe doch sehr! Danach haben wir uns etwas für die nächste Tour de France was überlegt. Ein Fahrrad-Taxi nur für mich! Das ist ein extra Fahrzeug, das man ans Fahrrad hängt und ich sitze drin. Wir haben’s schon …. Also Tour de France wir kommen. Und zwar mit Motor am Rad, das Dalo seine Zunge nicht so raushängen muss wie die anderen Radfahrer, denn wir sind ja nicht doof. Vor allem ich nicht, ich hab jetzt sogar ein Cabrio, aus dem ich rausschauen und braun werden kann. Ist doch viel cooler, oder? Kadi hat mir auch noch einen Sturzhelm und eine Sonnenbrille versprochen.

Ich dachte ja immer Dalo und Kadi quatschen nur zuhause mit den Händen, aber auch in Frankreich haben die mit Händen und Füßen gesprochen, komisch oder? Gebärdensprache nennen die das.

Na ja das waren so meine größten Highlights an Urlauben dieses Jahr und nun sind wir wohl erst mal für eine Weile zum letzten Mal mit unserem eigenen Hotel weg. Was wir damit wohl noch erleben? Mal sehen du hörst wieder von mir.

Viele Grüße

Dein Böbbele Ilko

So, jetzt wisst ihr’s. Ilko darf zu der Tour de Franz, hat ein Paddelbrett, ein Surfbrett mit Segel, sogar einen eigenen Fahrradcabrioanhänger. Er hat also Wassertaxis –wie es der Angeber nennt, ha, ha, ha – und wird an Land von Dalo gefahren. Vielleicht darf Ilko sogar mit ins Bett. Und ich, was habe ich?

Ich habe eine alte Schleppleine, darf nicht mal zu einer Tour de Otto sondern höchstens nach Heilbronn und muss selber laufen! Jetzt reicht’s wirklich! Ich bin mit Sicherheit ein Fall für den Tierschutz-Bund. Immer und immer wieder passieren hier bei mir Verstöße gegen die artgerechte Hundehaltung. Ich glaube ich muss wohl bald vor Gericht, damit sich das ändert. Was kann ich dafür, dass mein Chef pupsertiert oder wie das heißt. Jedenfalls muss ich seit über eine Woche an die lange Leine und nur weil er spinnt. Ist es etwa nicht artgerecht, wenn ich einem 10 m entfernt versteckten und aufspringenden Hasen nachrennen und ihm die Löffel langziehen will? Oder ich an einem Graben ein Reh rieche und danach schauen will, obwohl mein Chef ruft? Und der hat noch gemeint ich hätte es zum Glück nicht gesehen, als es in danach in den Wald gelaufen ist. Ja, ja, mein Chef, das ist so eine Pfeife! A pro popo Pfeife. Das versucht er seit einigen Tagen auch noch mit mir! Er hat jetzt eine Hundepfeife und ich soll kommen wenn er pfeift. Als ob ich schwerhörig wäre! Ich höre besser als er. Selbst im Tiefschlaf höre ich auf 15m Entfernung wenn er die Kühlschranktüre aufmacht. Doch zurück zur Pfeife. Die ersten beiden Male bin ich ja zu ihm hin, weil ich unbedingt sehen wollte was da so einen Krach macht. Dann war’s mir zu blöd und gerade als ich in einen schmoddrigen Graben wollte pfiff der doch schon wieder. Mir war’s egal und es roch so verführerisch da unten, dass ich einfach runter musste und mich dort so richtig in der Pampe suhlen konnte statt zu kommen. Das ist artgerechtes Verhalten und was macht der Mensch? Er kommt schnurstracks zu mir her, nimmt mich an die kurze Leine und es ging geradewegs nach Hause. Auf dem ganzen Heimweg hat er mich nicht ein einziges Mal angeschaut. Ist das vielleicht ein ordentliches und faires Verhalten. Und obwohl ich meiner Meinung nach so gut mit dieser Schlammpackung duftete, hat er mich daheim abgespritzt und abgerieben bevor ich ins Haus durfte. Macht Mann so etwas mit seinem Hund? Das war noch lange nicht das Schlimmste. Der Gipfel der Gemeinheit war aber letzte Woche. Mir hat mein Chef gesagt, dass wir nach Heilbronn zu den Enten fahren. Enten, Federvieh! Endlich, ich hätte ihn küssen können!! Ein Traum schien wahr zu werden: ab ins Retriever-Paradies, ganz original rassetypisch Enten aus dem Wasser holen, ach ist das Leben schön, Paul, du bist glückselig, was willst du mehr ..… ? Tja, und dann waren wir dort. Ein wunderschöner Park, schönes Wetter, weiches Gras, ein malerischer Teich. Enten? Ja, Enten gab’s mehr als genug im Teich, aber was durfte ich als Paul mit denen machen? Na, was wohl? Gar nichts, niente, nada, rien, nothing, rein goar nix!!! Aus der Ferne anschauen durfte ich diese Maulschmeichler und wenn ich ran wollte ging’s an der langen Leine ab in die andere Richtung! Berit, die Hundetrainerin, war dabei, aber meint ihr, die hätte mir geholfen? Pustekuchen! Deshalb gehe ich ab sofort zu der mittwochs nicht mehr hin. Soll sie sich doch jemand anderes suchen, der so schön Platz und Sitz macht wie ich! Es ist zum Heulen….. Wahrscheinlich haben meine Leute ein schlechtes Gewissen bekommen und wollten mich wieder besänftigen. Als Wiedergutmachung haben sie mir einen geflochtenen Weidekorb mit einer warmen Decke ins Wohnzimmer gestellt und mir knochenfest und hundeheilig zugesichert, dass Ilko so etwas nicht hat. Was meint ihr? Soll ich das Versöhnungsgeschenk annehmen?

Euer Paul

 


 

05.10.2017

 

Hallihallo …

Sodele, ich bin wieder zurück aus dem blau-weißen Weißwurschtland. Danke der Nachfrage, ich hab’s überlebt und ich hatte auch keine Angst vor dem bayrischen Löwen und schöner bin ich sowieso, findet Ihr nicht auch?

Der Anfang war ja klasse: Als ich ins Hotelzimmer kam war schon alles für mich vorbereitet: eine braune Decke als Liegeunterlage auf dem Boden, ein eigener Napf mit Hundekeks, zwei Bademäntel am Haken und sogar ein hellblaues Halstuch mit Edelweiß. Anscheinend hatte Astrid angerufen und mitgeteilt, dass ihr Mr.Hellblau-Paul im Anrollen ist. Alles eitel Sonneschein, sollte man meinen. Falsch gedacht! Bereits am ersten Tag musste ich gleich zum Abendessen alleine in einem für mich fremden Zimmer in einem Hotel bleiben. Nein, nein, nicht bei meinem Abendessen alleine, darauf habe ich geachtet, da waren der Chef und die Chefin noch da. Aber danach, da waren die plötzlich weg. Das habe ich mir nicht gefallen lassen und prompt 4-5 Mal gebellt. Vergeblich! Sie kamen nicht zurück und wozu Energie zum Bellen verschwenden? Also habe ich mich lieber auf meine Decke (die von Zuhause, nicht die vom Hotel!) schlafen gelegt und sicherheitshalber meinen Kopf auf den Pullover des Chefs gelegt, damit der nicht auch noch verschwindet. Der große neue Kauknochen daneben hat mich nicht die Bohne interessiert ….. Bestechen lasse ich mich durch sowas nicht, da muss schon was Richtiges kommen. Den habe ich erst angenagt als meine Zwei wieder zurück gekommen sind.

Wieviel Sterne das Hotel hatte? Ich glaube da standen nachts so an die 27 direkt drüber, zumindest habe ich die von unten zählen können. Obwohl – mein Chef hat bestimmt mehr gesehen als er sich den Kopf an der Badezimmertür angestoßen hat… Wir waren auch nicht alleine, Tammy war noch dabei, diese ältere Retriever-Tante aus dem Verwandtenkreis mit ihren Bediensteten. Das hatte ich mir sooo schön vorgestellt. Morgens bei einem langen Spaziergang mit ihr spielen, dann eine Runde schwimmen im See und danach tief entspannt von jungen, heißen Hundefräuleins träumen, ach, was für ein Hundeleben …. Und was war? Pustekuchen !! Die olle Tante wollte nicht spielen, war griesgrämig und ist weit voraus gelaufen. Ich darf das ja nicht und musste entweder den Chef oder die Chefin an der Leine hinter ihr her schleifen. Nur am ersten Tag durfte ich zeitweise mit ihr frei umher tollen, am See entlang und so. Das war aber meinen Chefs bald zu mühsam, denn entweder ich war außer Sichtweite oder es kamen Wanderer, die ich nicht begrüßen durfte. Dabei wären Hundepfoten auf heller Kleidung doch das gewisse Etwas, oder etwa nicht? Es gibt ja sogar eine ganze Kleidungsmarke mit einer Hundepfote, aber so modesicher ist mein Chef einfach nicht. Und dabei hatte es so schön geregnet und ich eine erdbraune und schlammige Tarnfarbe …. Na ja, wenigstens durfte ich in den See und Wolfgang hatte eine tote Ente zum Apportieren dabei, nicht bloß einen Holzstock wie mein Chef. Natürlich habe ich die aus dem Wasser geholt. Da hat es mir gar nichts ausgemacht, dass sie aus Gummi war und ich ein paar Meter in den See musste. Endlich konnte ich mich bei Tammy revanchieren. Jeden Stock, den sie aus dem Wasser holen sollte, habe i c h zuerst erreicht und an Land gebracht, da war die alte Tante ganz schön baff. Von wegen vorsichtig ins Wasser und dann ein bischen im richtigen Stil schwimmen wie diese alte Jungfer. So ein Paul wie ich geht mit Karacho ins Wasser und dann ab wie Nachbar’s Katze!! Obwohl – eine Katze habe ich nicht gesehen – egal! Und dann, ich trau‘ mich’s kaum zu sagen – gell, ihr sagt’s bitte niemandem weiter – dann habe ich mich unsterblich verliebt in eine Hundedame verliebt. Sie roch ja soo süß!! So etwas Süßes habe ich noch nie gerochen, da lief mir richtiggehend das Wasser im Maul zusammen und lief und lief und lief … (für ältere Leser : so wie früher in der Werbung der VW-Käfer) aus den Lefzen raus, zuerst in Tropfen und dann in Speichelfäden auf die Erde …. Mein Chef hatte einen furchtbaren Schnupfen und hat nichts, aber rein gar nichts gerochen und deshalb keinerlei Verständnis für meine Verliebtheit, ach, wenn er es doch nur gerochen hätte, er hätte bestimmt auch gespeichelt … Leider habe ich das elfengleiche Wesen, die Hundefrau meiner feuchten Träume nie in echt gesehen, dafür viele verrunzelte und verhutzelte, gouvernantenhafte alte Jungfern, die in ihrem Hundeleben bestimmt noch nie einen echten, kapitalen Jungpaul ihr eigen nannten. Selbst beim Träumen im Hotelzimmer tropfte es danach im Liegen noch. Danke Mama Melody, für diese wunderschönen weiten Lefzen, über die sich mein Chef immer so lustig macht. Von ihm werde ich deshalb immer ‚geschrubbert‘, nein ‚gemobbt‘ und richtiggehend distelminiert oder wie der Fachbegriff halt heisst.. Er meint, wenn meine Schnauze flach auf dem Boden liegt sehe ich aus wie ein Luftkissenfahrzeug an Land oder ein Autoreifen mit einem Platten. Wenn der wüsste wie er aussieht wenn er mit der Schnauze flach auf dem Boden liegt ….!

Mein lieber Schwan! Ja, Schwäne gab’s auch, aber an die durfte ich nicht näher heran. In Füssen gibt es sogar ein Musical ‚Der Schwanenprinz‘. In Baden-Württemberg haben wir andere Tiere. Da gibt es ‚Tanz der Vampire‘. Stellt euch vor, ich will auch bald in diesem Musical mitspielen. Ich übe schon kräftig dafür. Meine Rolle ist die eines einzigartigen weißen Hundevampirs. Als sie mein Bewerbungsfoto gesehen haben bekam ich sofort einen Vertrag angeboten. Wollt Ihr das Foto sehen? Aber nicht lachen! Ich überlege mir ob ich mir davon Fankarten machen lassen soll? Was meint Ihr? Ach so, ihr wollt es erst sehen? Hier bitte: Paul als weißer Vampir im September 2017.

Als ich vom Urlaub zurück kam erwartete mich eine große und sehr schöne Überraschung: Ilka hat mir geschrieben. Echt! Ich kann’s kaum glauben… Wer Ilka ist? Na, meine älteste Schwester. Ursprünglich war sie von Astrid als Werbungsträgerin für die Volks- und Raiffeisenbanken vorgesehen, denn Ilka hat genau nach deren Motto gehandelt: „Wir machen den Weg frei“ und Ilka hat als Erstgeborene den Geburtskanal für uns frei gemacht. Hat die ein Glück! Sie kam zum lieben Samuel nach Thüringen und hat laut ihrem Brief ein tolles Leben. Lest doch selbst!

 

 

 

 

Hallo Bruderherz.

 

 

 

 

 

 

ich bin's, Ilka, Deine große Schwester (protestier gar nicht erst! Auch wenn Du ein paar Gramm

größer oder einige Millimeter schwerer bist - ich bin die Erstgeborene!!).

 

 

 

 

Ich hätte Dir ja gerne schon viel eher geschrieben, aber mein Papa auf zwei Beinen lässt mich nicht

mehr an dieses Ding ran, mit dem Hund Emails schreiben kann!

Als ganz kleiner Welpe dachte ich mal "wenn aus Kaffeepads Kaffee gemacht wird dann macht man

aus Eipads Eier - und die sind lecker!"

Also hab ich das Ding gekostet... Wirklich!

Ich habe es nur ganz vorsichtig abgeleckt!

Da hat Papa plötzlich "Du dummer Hund" gerufen!! (Sonst erzählt er immer überall wie schlau ich

bin, wie schnell ich lerne und prahlt mit allem möglichen was ich schon kann!!).

Als ob ich was dafür könnte dass meine Zunge magische Kräfte hat und auf diesem "Betrugspad"

(es schmeckt absolut nicht wie Ei!) plötzlich alles chinesisch war!

Dabei ist das doch halb so wild - mein Papa kann doch chinesisch... Er ist ja sehr sprachbegabt!

Aber Deutsch kann er wirklich nicht! Das muss hier an der Gegend liegen... Die reden alle so

undeutlich!! Ich habe einfach nie verstanden dass "bflandssch hie" einfach nur bedeutet "mach

Sitz!" Oder "machdsch da weg!" Mit "geh dort weg!" zu übersetzen ist! Papa und ich haben uns

dann auf Gebärdensprache geeinigt - die verstehe ich nämlich!)

 

 

 

 

Na jedenfalls muss ich seit dieser Kostprobe immer warten bis mein Papa Zeit hat Sekretär zu

spielen und meine Email tippt... Und der hat praktisch NIE Zeit!!

Ständig auf Arbeit, oder bei Freunden... und seit der eine Freundin in Aachen hat sind wir nur noch

auf der Autobahn!!

Ehrlich, ich liebe Autofahren. Deshalb finde ich es ja so toll dass seine Freundin fast 600km weit

weg wohnt oder meine Schule in Dresden ist (das sind auch immer 100km pro Strecke). Aber er

hat halt weniger Zeit meine virtuell-sozialen Kontakte zu pflegen...

Zum Glück findet Papa immer noch Zeit zum Angeln (das ist toll! Den ganzen Tag (manchmal sogar

mehrere Tage) draußen spielen und baden und SCHLAFEN!! (Ja!! Papa schläft dann oft mit mir am

See - da darf ich dann auf ihn aufpassen und alle diese gefährlichen Raubtiere wie Mücken oder

Mäuse und Marder anknurren und verbellen!!))

 

 

 

 



 

 

 

Was auch toll ist, ist wenn Papa auf Arbeit muss!!

Alle diese lieben alten Leute!!

Die geben mir alle Leckerlies ohne vorher irgendetwas zu verlangen... Nur wenn Papa Frühdienst

hat - das kann ich GAR NICHT leiden!!! Oh Hund!!

Da klingelt mitten in der Nacht der Wecker!

Stell dir vor, Du träumst wie Du so eine nervige Katze vom Hof jagst und plötzlich, so kurz bevor Du

sie erwischst wirst Du brutal geweckt!!

Zu Anfang habe ich mich gewehrt! Was habe ich nicht ausprobiert!

Ich habe geknurrt (das hat Papa wenig beeindruckt, aber ich war ja erst acht Wochen jung).

Dann habe ich ihm die Pfote in's Gesicht gehauen und gebettelt "bitte bleib liegen!"

Danach habe ich mich sogar quer über seinen Hals gelegt wenn der Wecker klingelte - der Mann ist

gnadenlos!

Hat mich einfach runter gehoben und in diese sibirisch kalte Nacht rausgesetzt und gewartet bis

ich meine Pfütze gemacht habe!!

Und der Februar war extrem kalt! Wir hatten bis -29 Grad!! Mein Pippi war teilweise so schnell

gefroren dass ich selbst darauf ausgerutscht bin!

 

 

 

 

 

 

Aber Spätdienst... das liebe ich!

Jeden Morgen ausschlafen, gemütlich Gassi gehen, ausgiebig frühstücken und dann mal schauen

was der Tag so bringt...

Nur neuerdings wird mein Papa faul auf der Arbeit!

Der öffnet mir nicht mehr die Türen sondern verlangt von mir dass ich die auf mache!!

Aber das kann er vergessen!!

ICH habe ja Zeit! Gestern habe ich mich einfach nur hingesetzt und so getan als wüsste ich nicht

was er von mir will... Hat funktioniert!!

 

 



 

 

 

Okay, kleiner Bruder, Papas Zeit ist um... (Der muss schon wieder was machen bevor er auf Arbeit

fährt - schrecklich der Stress!).

 

 

 

 

 

 

Ich wünsche Dir einen schönen Tag und schreibe mal wieder!!

 

 

 

 

 

 

 

Glück auf!

 

 


 

 

Deine große Schwester 

 

 

 

 

Ilka

 

 

Anfangs war ich ein bischen neidisch von wegen Schlafen im Freien am See und so. Aber wenn ich daran denke, dass mich schon Stubenfliegen kirre machen, dann liege ich doch lieber in meiner mückenfreien Kudde und dreh‘ mich nochmal um, damit mein Chef bis 8 Uhr schlafen kann …Ätsch, Ilka und jetzt bist du neidisch, oder? Ist deine Hundeschule wirklich 100 km weg und in Dresden? Ich habe geglaubt meine ist mit 40 Minuten Fahrzeit schon weit? Aber eines haben wir gemeinsam: wir fahren beide gerne Auto und wenn ich dann so genüsslich auf der Rückbank liege, alle Viere von mir strecke und mich schovieren lasse, da wird mein Schofför so richtig neidisch und knurrt: „So schön wie der Paul möchte ich’s auch einmal haben“. Ach Freunde, ist das Leben doch schön!!

Adele

Euer Paul

PS: Wer’s noch nicht weiß: Nein, ich habe nicht mein Geschlecht gewechselt und heiße ab sofort Adele, das ist Schwäbisch und heißt auf Mannheimerisch „Tschüssel“ und für meinen Bruder Ronny . im Ruhrgebiet: „Tschüssken“

 


17.09.2017

 

Toll, ich bin erwachsen!

Ja, endlich bin ich erwachsen! Am 1.September um 19h54 in der Pfalz zum ersten Mal. Jetzt kann ich’s auch. Ich habe ja wochenlang Muskeltraining gemacht, damit ich besser bin wie so ein dicker Elefant. Nun bin ich sowas von happy! Ich könnte voll Freude die ganze Welt bepinkeln. Junge, Junge, es war allerdings nicht einfach endlich wie die erwachsenen Rüden urinieren zu können. Wochenlang vorsichtig geübt und Anfang September hat’s geklappt. Natürlich mache ich weiter, es ist noch lange nicht Schluss. Das rechte Hinterbein kann ich schon heben und als nächstes ist das linke dran. Nein, das reicht mir nicht, dann mach‘ ich weiter und werde sogar den Chef übertrumpfen. Denn der hat zugegeben, dass er selbst das auch nicht kann. Aber ich werde es können!! Dann bin ich der erste Hund, der beim Pinkeln beide Hinterbeine gleichzeitig heben kann, ein Handstand-Pinkler sozusagen. Ihr werdet es schon sehen. Ach, was bin ich happy!! Und dann falle ich auch nicht mehr von der Bordsteinkante runter wenn so ein blödes Auto so weit davon weg parkt, dass ich beim besten Willen nicht mehr vom Trottoir aus mein Hinterbein oben am Reifen anlegen kann…

Die Welt ist schön, die Sonne lacht, das Fressen ist gut und jetzt hat auch noch Arno geschrieben, mein jüngster Bruder. Er war der Erste, der mich über meine E-Mail-Adresse kontaktiert hat. Hat der sich gemausert. Fast hätte ich übrigens als Baby Pech gehabt und er wäre an meiner Stelle hier gelandet, denn er war bei meinen Leuten in der engeren Auswahl, aber dann hat ja Astrid erkannt, dass i c h als Paul die hier auf Trab bringen muss, von wegen lange schlafen und so. Arno hat’s ebenfalls sehr gut getroffen und das gönne ich ihm von Herzen. Wollt ihr wissen was er mir geschrieben hat? Hier bitte:

Hallo Paul,
liebe Grüße aus Fornsbach wünscht Dir dein kleinster Bruder Arno. (Bin schließlich der letzte der geboren wurde!)
Das ist ja ein Ding, daß Du zum Geschirrspülen im Urlaub gezwungen wurdest. Aber sei froh, du durftest wenigstens mit in den Urlaub fahren, ich wurde eine Woche lang bei Oma und Opa geparkt mit der Begründung, ich könnte nicht so weit wandern, ich wäre noch zu jung und zu klein dazu! Na ja, Oma und Opa haben auch einen Hund, da war es wenigstens nicht langweilig und wenn die Eva die Küche nicht verkleckert hat beim Saufen, dann habe ich das gemacht und Opa war den ganzen Tag mit Küchezusammenwischen beschäftigt!
Seit neuestem steht eine große Schüssel Wasser auf der Terrasse für mich bereit wenn ich sie besuche! Solange es warm ist, kann ich ja draußen trinken, aber wenn es kalt und Winter wird können die das knicken. Ich werde also auch manchmal gemobbt!
Aber die Krönung ist mein Hundewarnschild!!!
Zur Information, mein Herrchen wollte eigentlich einen richtigen Wachhund - war meinem Frauchen aber zu gefährlich. Frauchen wollte was Gemütliches, sowas wie mich!
Sie hat ja dann auch das große Los mit mir gezogen aber Herrchen meinte, wenn er schon keinen "richtigen" Wachhund bekommen hat, möchte er wenigstens ein gescheites Hundewarnschild!
Na ja, ich steh drüber!
Auf jeden Fall hoffe ich, dass zu uns nie ein Einbrecher kommt, denn wenn ich schlafe höre ich wirklich nichts!
Ich habe ihm das Schild auch schon verziehen denn er hat mir einen neuen Gartenzaun und ein ganz tolles Törchen dazu gebaut.
Als nächstes wollen die Kinder und er mir eine Hundehütte bauen! Ich freue mich schon sehr darauf. Es braucht sich aber keiner einbilden, dass ich auch nur eine Nacht darin draußen schlafen werde! Aber auf Frauchen kann ich mich verlassen, würde sie nie zulassen! Frauchen hatte sogar die Idee, da es ja bald weihnachtet, am Dach entlang eine Lichterkette anzubringen! Na ja, ich warte mal ab, was rauskommt...
Du siehst also, auch ich habe es nicht immer leicht!

Liebe Grüße sendet Arno.

Ich hab‘ übrigens ein Geheimnis. Darauf bin ich ganz stolz. Ich kann wunderschön und im tiefsten Hundebass bellen!!! Aber nicht weiter sagen. Und wenn ich finde, dass man mich nicht im Erdgeschoss lassen soll, wenn die oben sind, dann muss ich denen doch so richtig die Meinung bellen, von wegen mangelndem Sozialverhalten ihrerseits. Ich dürfe im ersten Jahr keine Treppen hoch laufen habe meine Züchterin gesagt. Papperlapapp! Wie soll ich denn sonst hoch kommen? Mit einer Leiter oder einem Hubschrauber? Und alleine kann man die dort oben nicht lassen. Wer weiss, was sie dort oben machen …? Blöderweise kommen sie nicht herunter, wenn ich belle. Das dürfen sie nicht hat ihnen Berit, das ist die Hundehalter-Trainerin, geraten, denn wenn sie beim Bellen kämen würden sie mich bestärken und somit für mein Bellen belohnen. Aber so schnell gebe ich nicht auf, ich bin ja der Paul !! Ja, ja, ich gehe mit meinem Chef und seiner Herzallerliebsten immer noch jede Woche auf den Hundeplatz, damit sie dort etwas lernen und ich spielen kann. Leider habe ich es noch nie so gut angetroffen wie Ilko. Hatte der ein Glück!! Stellt euch vor als es an die Unterordnungsübung ging haben die Mitkumpels dort festgestellt, dass irgendjemand eine ganze Menge Leckerlis verloren hat, als er über den Platz gegangen war. Diese Übung konnte man natürlich knicken, denn zuerst mussten diese Spezial-„Hörgeräte“(Leckerlis) fachhündisch entsorgt, d.h. biologisch vernichtet werden. Nächstes Mal werde ich auf dem Platz den Boden ganz genau nach verlorenen Leckerbissen abscannen, vielleich lieber zweimal.

Inzwischen darf ich auch richtig spazieren gehen und mich dabei nach Lust und Laune austoben. Der Chef hat beschlossen, dass ich jetzt alt genug bin und mich nicht mehr nach der Empfehlung (pro Woche Lebensalter 1 Minute Spaziergang = Dauer: 38 Minuten ) richten muss. Morgens braucht er seine 45-60 Minuten Freilauf und natürlich begleite ich ihn, damit er nicht verloren geht. Das ist er zwar schon ein paar Mal, aber keine Angst, ich habe ihn immer gleich wieder gefunden. Der hat auch so eine blöde Angewohnheit gerade wenn es für mich ganz interessant riecht, ich stehen bleibe und mich voll auf die Geruchsnachricht konzentriere irgendwohin zu verschwinden und prompt gerät er in Aufregung wenn er mich nicht mehr sieht und ich Dödel muss ihm dann wieder helfen. Wisst ihr eigentlich, dass es eine Hundesportart namens ‚Mantracking‘ gibt? Da müssen wir Hunde Stunden später die Spur eines Menschen verfolgen, auch über Asphalt. Ich glaube ich melde meinen Chef zum ‚Dogtracking‘ an, da kann er ja mich Stunden später suchen, das wäre lustig …

Für meinen Chef muss ich mir ja ständig etwas Neues ausdenken, damit es ihm nicht zu langweilig wird. So bin ich auf zwei Indoor-Spiele gekommen. Zunächst für Anfänger: der Chef muss sich verstecken und der Hund bleibt auf einer vereinbarten Stelle und sucht ihn nach Zuruf. Das zwingt den Chef sich ernsthaft Gedanken zu machen wo er sich denn verstecken könnte und schützt ihn so vor Alzheimer. Hat der Mensch das dann kapiert kommt Stufe 2. Ihr bringt ihm ein Spielzeug von euch und nervt ihn solange, bis er es irgendwo hinwirft. Das bringt ihr ihm schnell wieder und nervt ihn erneut, bis er es irgendwo versteckt. Das holt ihr dann und stupft ihn damit ans Knie bis er sich mehr Mühe gibt und es besser versteckt usw. Ein kleiner Tipp: bei meinem Chef ging’s schneller als ich ihn mit dem Spielzeug nicht nur angestupst, sondern dabei auch noch die Hosen vollgesabbert habe…

Meine Chefin ist toll. Sie hat ja soviel Verständnis für mich. Als sie merkte, dass ich harte Dinge nicht so sehr herumtragen mag, da hat sie für mich ein Spezial-Spielzeug einfach aus einem Sitzkissen selbst hergestellt und das ist jetzt mein Lieblingsspielzeug, weil man an ihm gut zerren und es überall problemlos hintragen oder mitnehmen und wunderschön vollsabbern kann. Ob ich das auch einmal mit einem Sofakissen probieren soll? Lieber nicht, das gibt sonst bestimmt Ärger …

So, das war’s für heute. Macht’s gut und immer schön die Rute locker halten …

Euer Paul

 

 

06.09.2017

 

Urlaubserinnerungen

Wir waren ja im Urlaub an der Ostsee. Wir, das sind zunächst einmal ich natürlich, mein Chauffeur und seine Frau, also die Chefin, ferner Jakob (2 Jahre) und Jonathan (4 Jahre) mit ihren Eltern. Damit ich nachts meine Ruhe haben sollte, haben wir Luftlinie 122, 78m voneinander entfernt gewohnt. Jonathan ist mit Abstand mein liebster 4jähriger Freund – ich kenne ja sonst keinen Vierjährigen und außerdem liebe ich Jonathan, weil der regelmäßig sein Obst für mich in seiner Frühstücksdose bereit hält, wenn wir ihn vom Kindergarten abholen. Sein Bruder Jakob ist natürlich noch klein und wir stehen uns sozusagen Auge in Auge, d.h. auf Augenhöhe gegenüber, nur dass er dann halt auf zwei Füßen steht und ich auf vier und er beim leichtesten Nasenschubs von mir hinfällt. Manchmal sogar schon bevor ich ihn berührt habe. Er ist wirklich enorm süß und charmant und beherrscht die Zweijährigen-Geheimsprache aus dem FF (oder war’s VV …?). Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich die kapiert habe. Am Anfang war ich ganz erstaunt, denn am ersten Abend sagte er doch wörtlich vor dem Abendessen: „Paul Hundebutter“. Was, gibt’s so etwas? Falls ja, brauche ich sie nicht, eine doppelte Portion Wurstaufstrich auf’s Brot reicht mir allemal. Nein, lieb wie er war, wusste er, dass ich auch Hunger hatte und hat nach Futter für mich gefragt, also war Hundefutter gemeint. Noch ein Beispiel gefällig? Im Auto waren die Großeltern, Jakob und Jonathan. Plötzlich meldet sich Jakob ganz aufgeregt. „Oma, wadder.“ – „Jakob, wo ist Wasser?“ – „Oma, wadder.“ –„Jakob, das Wasser kann ich nicht mehr sehen, wir sind schon vorbei.“ Da lacht Jonathan und sagt: „Oma, da ist doch gar kein Wasser, der Jakob meint doch „Bagger“. Zurück zur Ostsee. Für mich war es dort nicht so toll, ständig musste ich an die Leine, was ich von daheim nicht gewöhnt war. Genauso wenig wie der Chef. Der hatte in den ersten Nächten so sehr Schmerzen im Brustkorb und Rücken, dass er jedes Mal wach wurde, wenn er sich umdrehen wollte. Es waren allerdings keine herzbedingte Beschwerden sondern einfach Muskelüberlastung, weil ich mit meinen 30 kg ihm jedes Mal einen Ruck verpasste, wenn er woanders hin wollte als ich.

Sicherheitshalber hatte er ja einen Korkenzieher ähnlichen 40cm großen Schraubhaken zum Anpflocken mitgenommen. Den musste man in die Erde eindrehen und konnte dann die Leine daran befestigen. Am Strand wurde folglich wie die Tage davor das Ding bis zum Anschlag in den Sand geschraubt, die lange Leine eingehakt und dann hatte ich meine ca. 5 Meter Freiheit und alles war gut. Dann musste er jedoch zur Toilette und rief der Chefin zu sie sollte einmal kurz auf mich aufpassen, was sie tun wollte. Schnurstracks machte er sich auf den Weg ohne sich umzudrehen. 10 Sekunden später rief sie ihm nach. „Pass auf, der Paul kommt“ und es schepperte metallisch auf den Felsbrocken, die auf dem Weg lagen. Klar, dass ich ihn begleiten wollte, aber das ließ er nicht zu und brachte mich zurück zur Chefin. Die stand kreidebleich da und erzählte, dass ich ihn hatte begleiten wollen und losgespurtet war, bis sich die Leine straffte und der Schraubhaken ca. 5m hoch in die Luft und auf die Felsen geflogen war, wo sich zu der Zeit zum Glück niemand befand. Nicht auszudenken, was da hätte passieren können…. Danach habe ich nicht mehr an diesen Pflock gemusst und er wird ab sofort nur noch für gewachsenen Boden verwendet.

Ins Meer wollte ich am Anfang gar nicht. Viel zu salzig! Am Strand war es jedoch sehr schön und es gab tolle Sachen zu untersuchen. Am meisten Freude hatte ich am Tang. Das ist eine Art Wasserunkraut und man konnte den so richtig umherschleudern. Das fand der Chef auch und wollte prompt mitmachen. Seine Koordination ließ aber sehr zu wünschen übrig und statt bei mir landete der Tang im Wasser. Da er ja nicht ins Wasser geht blieb mir gar nichts übrig als das Zeug zu holen.

 

 

Meint ihr er hätte daraus gelernt? Pustekuchen. Beim zweiten Mal flog er noch etwas weiter und ich musste wieder für ihn ins kalte Nass. Einmal hatte ich beim Rausholen nicht mal mehr Boden unter den Füßen und musste ganz schön strampeln. Am nächsten Tag haben sie die Hunde-Frisbee-Scheibe mitgenommen. Zum Glück schwimmt die auf dem Wasser und ohne mich wäre die jetzt weg. Ein paar Mal habe ich sie ihnen heraus geholt. Dann wurde es mir allerdings zu dumm und ich habe mich geweigert das Ding zu holen. Das Gesicht der Chefin hättet ihr sehen sollen, als die Scheibe im Meer schwamm und ich keinerlei Anstalten machte nochmals ins Wasser zu gehen. Da half auch kein gutes Zureden mehr. Für mich war sie nicht mehr interessant. Sollte sie doch nach Schweden oder Finnland schwimmen. Dort brauchen sie auch Frisbee-Scheiben … Den Chef hatte ich an der Leine, der war folglich nicht abkömmlich und das Wasser war ihm sowieso zu nass. Die Chefin wollte sich gerade mit einem Saure-Gurken-Ausdruck auf den Weg ins Meer machen, als sich zum Glück für sie die Mama von Jakob und Jonathan erbarmte, ihren Rock hoch krempelte und das Wurfgerät aus dem kalten Wasser holte. Natürlich nur wegen mir!! Bestimmt weil ich immer an ihr hochspringen will und sie so tut als könne sie das gar nicht leiden …

Mittag- und Abendessen gab es fast immer im Ferienhaus bei den Kindern, das haben sie und ich genossen. Wenn sie etwas nicht essen mochten ist es ihnen leider, leider und selbstverständlich immer versehentlich herunter gefallen. Zum Glück hatten sie mich als stromfreien Bio-Staubsauger mit eingebauter Bio-Gas-Anlage. Eis ist nichts für Hunde, denn es enthält viel Zucker. Aber es kühlt so herrlich. Einmal lagen wir am Strand und es gab Eis für alle, nein, für fast alle, denn ich wurde wieder einmal diskriminiert und gemobbt und bekam keines. Und bei diesen Eiskugeln lief einem doch das Wasser im Maul zusammen! Nichts drin! Keinesfalls Eis für Paul! Doch da gab es ja den lieben Jakob. Der musste prompt nachsehen ob unten aus der Waffeltüte auch Eis rauskam und hat sie einfach umgedreht …. Aber nur einmal, denn das ganze Schokoladeeis fiel raus und in den Sand und bevor es Schaden anrichten konnte, habe ich es entschärft und entsorgt. Hmh, Schokoladeeis mit Sand, lecker, lecker, lecker. Und für Jakobs Gebrüll war ich nun wirklich nicht mehr zuständig …..

Wisst ihr was ein ‚Schätzkuchen‘ ist? Wusste ich bis dahin auch nicht. Es ist eine Eigenkreation Marke Chefin Spezial. Es gab weder Messbecher noch Waage und die Chefin hatte dummerweise den Kindern versprochen mittags einen Kuchen zu backen. Die Zutaten waren schnell besorgt und dann kam der Aufschrei. Es gab unter den Küchenutensilien kein Messbecher und keine Waage. Wie sollte das gehen? Originalzitat von der Chefin: „Dann gibt es halt einen Schätzkuchen und du musst irgendwie abmessen und wiegen. Ich brauche Mehl, Milch, Zucker und Butter. Lass‘ dir halt etwas einfallen!“ Der ‚dir‘ war natürlich der Chef und der hatte dann den Salat. Halt, nein, Salat hatte er nicht. Seinen Einsatz als analoger Taschenrechner, d.h. Kopfrechnen, war er ja gewohnt, aber seine Verwendung als grobe Küchenwaage, das war neu. Die jeweiligen benötigten Mengen wurden ihm genannt und der Rest war sein Problem. So kam es beim waagelosen Abwiegen bzw. Abmessen zur Verwendung von Gläsern, Tassen und Tellern und das Endergebnis war tatsächlich ein schmackhafter Kuchen.

Das erinnerte den Chef trotzdem irgendwie an eine Episode mit seinem Staffordshire Bullterrier namens Cäsar im Jahre 1994 in Frankreich auf einem Campingplatz. Da wollte der Chef unbedingt Couscous essen. Kurz zuvor hatte er dieses körnige Zeug in einer Packung gekauft und die Chefin hatte es gekocht, ohne viele Zutaten, denn die hatte sie einfach nicht. Die Nachbarn beäugten diese sonderbare Familie etwas misstrauisch, denn zum Campen waren diese Deutschen wirklich nicht eingerichtet, war deren ursprünglicher Plan doch gewesen, ohne weitere Zwischenaufenthalte nach einem Urlaub in einem gemieteten, voll eingerichteten und am Urlaubsort fest installierten Wohnwagen heim zu fahren. Jedoch hatten sie jedoch kurzum ihre Absicht geändert und sich auf einen Umweg begeben. Es gab lediglich ein kleines Iglu-Zelt für 4 Personen, einen kleinen Camping-Kocher mit Kartusche, 1 Topf, 4 Teller mit Besteck, keine Stühle, keinen Tisch. Die beiden 8 und 9 Jahre alten Kinder saßen auf dem Boden, der Chef auf der Stoßstange des Autos, die Chefin auf der Kühlbox und rührte vor sich im einzigen Topf auf dem Kocher. Das Gericht war fertig und kam auf die Teller. Alle weigerten sich nach einem kurzen Bissen diese Pampe zu essen. Kurzerhand wurde das Essen für Cäsar auf den Boden gestellt. Cäsar lief hin, streckte den Kopf vor, roch kurz, drehte sich um, lief 1m weg und legte sich platt auf den Boden. Die Chefin lief puterrot an und der Chef sagte lachend: „Die Nachbarn glauben jetzt bestimmt die Frau kocht so schlecht, das frisst nicht einmal der Hund.“ Zur Ehrenrettung der Chefin betont der Chef, dass damals schon sehr gut gekocht und gebacken hat. Couscous jedoch gab es bis auf den heutigen Tag nie mehr …. A propos Couscous. Das erinnert mich an einen Kuss. Den habe ich in diesem Urlaub an der Ostsee vom lieben Jonathan bekommen. Ich lag auf dem Boden, ganz entspannt und Jonathan streichelte mich und drückte mich. Auf einmal überkommt es ihn, er beugt sich vor und gibt mir einen Kuss, voll auf meine pechschwarze Nase. „Bäh, der Paul ist ja voll nass auf der Nase“. Erst als der Chef ihm gesagt hat, dass das für Hunde völlig normal sei, feucht und kühl auf der Nase zu sein, da war er beruhigt. Ist ja auch ein Unterschied, ob die Nase eines Hundes oder eines Menschen nass ist, oder? Jedenfalls hat mir Jonathan seitdem keinen Kuss mehr auf die Nase gegeben. Eigentlich schade!

Bevor ich’s vergesse: Von dem Schätzkuchen habe ich keinen einzigen Brösel bekommen, so eine Schweinerei. Sagt einmal: Kennt sich jemand von euch im Tierschutzrecht aus? Ich bräuchte dringend einen Rat zum Thema Arbeitsrecht für Hunde. Kinderarbeit ist in Deutschland verboten, das weiß ich. Ist das bei Hunden ebenso und falls Hundearbeit legal ist, gibt es dann feste Arbeitszeiten, Mindestlohn und Urlaubsanspruch für Hunde oder gar eine Hunde-Gewerkschaft? Warum? Ich muss einen Missbrauchsfall melden und ich bin das Opfer! Doch, wirklich! Im Urlaub wurde ich jeden Tag zum Küchendienst gezwungen, nicht nur zum Bio-Staubsaugen, nein, zum Geschirrreinigen! Ich habe sogar heimlich ein Foto von mir machen lassen, damit mir jemand glaubt. Hier bitte …

 

 

Hunde habe ich an der Ostsee genügend getroffen. Da war zunächst Ole, ein 5 Monate alter Australian Shepherd/Border Collie-Mix, mit dem ich schön spielen konnte. Quincy war eine Mischung aus Mops und Chihuaha, der mich doch tatsächlich ständig ankläffte, bis es mir einfach zuviel wurde. Also habe ich mit meiner tiefen Stimme einmal zurück gebellt. Wirklich nur ein einziges Mal und auch nicht ganz laut. Der Quincy hat vor Schreck fast einen großen Salto rückwärts gemacht, so schnell ist er hinter seinem Herrchen verschwunden, hat danach am ganzen Leib gezittert und keinen Mucks mehr von sich gegeben. Dabei hätte ich doch wirklich aufgepasst, dass ich ihm beim Spielen nicht versehentlich die Knochen breche … Dafür werde ich übrigens von ganz unterschiedlichen Menschen gelobt. Nein, nicht für’s Knochenbrechen! Dafür, dass ich mit Welpen und kleinen Hunden ganz vorsichtig spiele und mich mit meiner Spielweise dem jeweiligen Partner anpasse. Aufdringliche und dominante Hunde mag ich nicht. Machos gleich gar nicht. Und davon gibt es an der Ostseeküste eine ganze Menge. Die sind nichts für mich. Schließlich will ich mit allen gut Freund sein und wenn einer partout nicht will, dann eben nicht. Manchen Griesgram muss man einfach in Ruhe lassen. Das habe ich in meinen 6 Monaten hier schon gelernt. Ein paar Goldies habe ich im Norden auch getroffen; sie haben sich fast geschämt so schäbig sahen sie aus im Vergleich zur mir. Und Blicke haben mir die Frauen zugeworfen, olala! Einige haben sich richtig verliebt in mich, aber das ist sinnlos. Fremdgehen gibt es nicht und beim Fremdschmusen darf niemand zuschauen. Ich bin meinem Chef und meiner Chefin treu. Immer und absolut. Da kenne ich nichts, ohne Ausnahme!! Außer es gibt etwas zu futtern. Das kann ich regelrecht aufsaugen und absorbieren, weshalb ich lernen soll langsam zu fressen. Dabei ginge das doch ganz leicht. Sie bräuchten mir nur meinen Napf zweimal ganz zu füllen und beim dritten Mal würde ich bestimmt langsam machen. Das trauen die sich nur nicht, weil sie befürchten, dass ich dann nicht mehr durch die Tür passen würde. Würde ich doch! Wollen wir wetten?

 


Die Geschichten von Paul werden in Zukunft in einer Whatsapp Gruppe veröffentlicht.

Wer aufgenommen werden will, soll sich bitte bei mir melden!