My Guardian Heartbreaker

Aus dem Leben eines Golden Retrievers

oder einfach

"Paul erzählt" von Werner Schuster


Seite 3

 

Junge, Junge !!!

Ja, ich bin’s wieder, euer Paul. Entschuldigung, dass ich mich solange nicht mehr gemeldet habe, aber hier geht’s seit Wochen ab, das glaubt ihr gar nicht. Und das nur, weil mein Chef beim Angeln war. Er kam heim und hat gesagt, er habe sich einen Hummer eingefangen. Stimmt gar nicht. Der Hummer war gar kein Hummer, es war ein Krebs. Seitdem geht’s hier zu wie im Tollhaus. Alle sind total durcheinander, sind fix und fertig bis auf den Chef. Der bleibt cool und gelassen und geht ganz ofentief damit um. Nein, nicht ofentief, wie heißt das richtige Wort nochmal: of.., offen…, offensiv, ja, er geht offensiv damit um. Gesehen habe ich diesen Krebs noch nicht, denn der hat sich in der Speiseröhre versteckt, der Feigling. Ich würde ihn ja wegbeissen, den Saukerl, aber der Chef lässt mich nicht ran. Die Ärzte wollen auch nicht, denn er sei inoperabel, zumal schon Milkahasen in Lunge und Leber seien. Wie? Ach so, das sind keine Milkahasen sondern Metastasen? Na ja, man kann sich doch mal irren. Milkahasen sind trotzdem gut. Tja, und jetzt hat er schon seine erste Therapie hinter sich. Es war irgendetwas mit einem Schulfach: Biotherapie? Nein., Geotherapie? Auch nicht. Ich hab’s: Chemotherapie. Und morgen beginnt die nächste. Danach braucht er wahrscheinlich keine Bürste und kein Shampoo mehr, aber das ist ja eh fast leer… Ansonsten geht’s ihm im Augenblick noch gut und alle in der Familie sind sehr lieb zu ihm. Das waren sie vorher schon, jetzt halt besonders. Anscheinend hat ihm dieser Krebs im Kopf etwas verwirbelt, denn er hat angefangen ein ‚Tagebuch der Freude‘ zu schreiben. Darin hält er jeden Tag fest was schön war – und I C H komme häufig darin vor. Es kann übrigens sein, dass ich mich in Zukunft mehr um ihn kümmern muss und euch vielleicht nicht mehr oft schreibe, das kann ich im Augenblick noch nicht wissen und nicht versprechen. Warten wir’s ab, langfristig Pläne zu machen wäre Blödsinn. So, jetzt aber zu etwas wirklich Wichtigem.

Wegen dieses blöden Krebses haben der Chef und die Chefin extra meine Besuchshunde-Ausbildung abgebrochen. Dabei habe ich mich dort als Jüngster sehr gut gezeigt, das meinte sogar unser Ausbilder Dieter. Der Chef wollte zwar trotzdem weitermachen, jedoch hat das die Chefin nicht zugelassen. Als ich traurig war hat er mir zugeflüstert, dass vielleicht Sylvia und die Chefin die Ausbildung irgendwann wieder aufnehmen. Inzwischen hat er mich an Sylvia verschenkt, d.h. eine Hälfte von mir, denn die andere gehört ja der Chefin. Welche Hälfte? Er hat gemeint die hintere, wegen der man bei Spaziergängen öfter eine braune Plastiktüte braucht. Seitdem trainiert er seine Tochter darauf, wann sie mir Belohnungshappen geben muss. Echt lieb von ihm!

Im letzten Urlaub waren wir in Österreich in den Bergen. Habt ihr gewusst, dass es dort ganz besondere Tiere gibt? Rehe und Wildschweine – vier- und zweibeinige – gibt’s überall und am Vorarlberg sind sogar pfeifende Tiere zu finden. Mein Chef meint die heißen ‚Murmeltiere‘. Stimmt jedoch nicht, ich war neben einem gesessen und das hatte nirgends Murmeln. Wirklich nicht! Sieht übrigens bescheuert aus hier auf dem Foto. Ich meine das Viech, nicht mich.

 

 

Untergebracht waren wir in diesem Urlaub in einem Mörderhaus und deshalb durfte ich im Schlafzimmer nächtigen, damit mir nichts passiert. Überall standen und hingen da getötete und ausgestopfte Tiere: ein Haubentaucher, eine Eule, ein Eichhörnchen, das Murmeltier, sogar ein riesiges Hirschgeweih hing im Flur und dann noch ein ganz schräger Vogel mit Laterne. Nein, es war eigentlich gar kein Vogel, es war so ein Typ mit gestreiften Pyjama und der hatte irgendetwas mit der Börse zu tun. Was war das nochmal? Ja, es war ein echter Dax, nur ohne Punkte und dafür mit Streifen. Ach, was bin ich blöd!! Das war ja nur die Eselsbrücke zur Erinnerung. Natürlich war es ein Dachs und der bewachte die Kommode mit dem Telefon. Ihr glaubt das nicht? Na, dann hier noch ein Foto.

 

 

So ganz geheuer war der mir nicht. Nicht, dass der mit seiner Laterne umherhampelt und noch das Haus ansteckt. Irgendwie war ich dann doch wieder froh als wir zuhause waren. Es ist halt einfach schön, wenn man im Wald echte Rehe jagen kann und dann beim Zurückkommen belohnt wird, obwohl man nichts gefangen hat. Aber das ist wieder eine andere Geschichte und die erzähle ich euch eventuell beim nächsten Mal.

Bis dahin viele liebe Grüße

Paul

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Weihnachten? Kannste knicken!

Na, I-chen, wie war euer Geburtstag? Meiner war nicht so berauschend! Von wegen Geburtstagstorte, 3-Gänge-Menu und wilde Party – nichts von alldem. Wäre da nicht das liebe Geschenk von Imara (sei zärtlich über die Schnauze geleckt, Schwesterlein!) gewesen, dann hätte ich doch die großen drei trockenen Extra-Hundeknochen prompt übersehen, zumal ich davon nur einen an meinem Geburstag (ja, wirklich, hier nochmal in Worten: 1). bekommen habe. Und Weihnachten? Kannste knicken! Erst wurde wegen der Gäste fast das ganze Haus auf den Kopf gestellt, d.h. keine Zeit für mich und ich fühlte mich richtiggehend geschrubbert oder gemobt oder wie das heißt. Am 1. Weihnachtsfeiertag ging’s wieder zu der alten Frau in die Pfalz. Sagte sie doch lächelnd zu mir zur Begrüßung: „Ach, da kommt ja mein Freund wieder.“ Ehrlich, ich und ihr Freund? Das stimmt wirklich nicht. Die ist mit inzwischen 92 Jahren viel zu alt für mich. Und Zeiger hat sie auch keine. Ich habe sie genau angeschaut. Mein Chef behauptet allerdings sie sei die Uhroma von Jonathan und Jakob. Kann gar nicht sein. Sie hat weder einen Schlüssel zum Aufziehen noch ein Batteriefach. Nur einen Rollator, aber der hilft in diesem Fall auch nicht weiter…. Jedenfalls kamen noch die beiden Kleinen mit ihren Eltern dazu, das war klasse. Jakob muss ich immer das Gesicht zu wenden und dann stehen wir uns sozusagen Aug‘ in Aug‘ gegenüber, ich auf meinen vier und er auf seinen zwei Beinen. Das Hinterteil darf ich ihm nicht zuwenden, denn wenn ich anfange mit meinem Schwanz zu wedeln fällt Jakob um. Echt, so stark ist mein Schwanz. Mein Chef überlegt schon ob er mich nicht als Teppichklopfer vermieten soll. Teppich aufhängen, Paul davor, eine Wurst gezeigt und schon haut’s den Staub aus dem Teppich. Doch zurück zu Weihnachten. Von der Pfalz ging’s dann heim zu uns zum innerhäuslichen öffentlichen Nahverkehr für Knirpse und Kleinkinder, sprich: zur weihnachtlichen Märklin-Eisenbahn. Sie war angeblich das hohe Licht für meine beiden kleinen Allerliebsten. Was hohes Licht ist? Ja, könnt ihr kein Deutsch mehr? Highlight natürlich! Ihr mit eurem Englisch, da könnte man ganz meschugge werden. Dabei habe ich es vorsichtshalber im Zwischennetz gekugelt gut , bei euch heißt das im Internet gegoogelt, damit ich euch ja nichts Falsches sage.Tja, und dann kam doch tatsächlich das Christkind, hat mit einer Glocke gemenschelt (oder war’s geleutet?) und dann erst durften die Kids ins Wohnzimmer zum Weihnachtsbaum und den Geschenken. Hei, das war ein Spaß als ich beim Aufreißen der Päckchen helfen durfte. Ich bin ja hier im Haus d e r Spezialist für Verschnürungen, Bändel und Etiketten. Daran trag ich nämlich die Dinge am Liebsten umher. Selbst aufgeblasene Luftballons schnappe ich mir am flexiblen Hineinblasstutzen und stolziere dann mit erhobener Rute beglückt davon. Was die Kinder bekommen haben? Na ja, Jonathan eine Feuerwache aus Lego. Eigentlich war sie für ihn, aber seine Eltern fühlten sich so in ihre Kindheit versetzt, dass er ihnen beim Aufbau fast nur zuschauen durfte, hätte die Chefin nicht einen Teil davon für ihn zum Zusammenbau gerettet. Und der zweijährige Jakob? Habe ich doch glatt vergessen. Wahrscheinlich einen richtig schönen Knochen zum Zernagen – halt, nein, für ihn gab’s ein Parkhaus aus Holz mit Aufzug für die Holzautos. In den habe ich leider nicht reingepasst, nicht einmal in das ganze Parkhaus. Kleine Autos gibt’s, man sollte es nicht für möglich halten …. Tja, und am 2.Weihnachtstag kam Tammy. Hund, ist die alt geworden, eine richtig griesgrämige Retriever-Tante halt, nein, keine goldige, eine Nova Scotia Duck Toll –Retriever. Und seid ihr jetzt mit dem Englisch zufrieden? Ich habe 5 Minuten gebraucht um den Namen für euch zu übersetzen, denn eigentlich beduetet diese Rassebezeichnung wörtlich übersetzt ein Neu Schottland Ente Verlustziffer-Zurückbringer, so wie ich ein astreiner goldener Zurückbringer bin. Von der Farbe her nicht, stimmt schon, aber mein Chef meint in meinem besonderen Fall bedeutet Golden ‚mit einem goldenen Herzen‘ und ich liebe es Dinge zurückzubringen oder umher zu tragen . Habe ich euch schon erzählt, dass ich etwas viel besser kann als mein Chef. Was? Schnarchen! Doch, ehrlich! Fragt die Chefin! Die hat nachts das Schnarchen von ihrem Langzeit-Lebensgefährten aufgeweckt, woraufhin sie zu ihrer bewährter Stups-Therapie gegriffen hat. Nach für sie ungewöhnlicher mehrmaliger Attacke unter der Bettdecke wollte sie gerade zu härteren Maßnahmen greifen, als ihr auffiel, dass ihr halber Göttergatte, nein, er ist ja höchstens ein Halbgötter-Gatte, gar nicht schnarchte. Zumindest am oberen Ende nicht und das Dröhnen unten nennt man ja nicht Schnarchen …. Dafür dröhnte es von neben seinem Bett hoch so sehr in einem ganz sonoren Bass, dass sie es zunächst nicht glauben wollte. Ja, ich war’s, friedlich und tief auf dem Rücken liegend schlafend und bestimmt im Traum gerade mit Amy schmusend. Im Geräusche machen bin ich sowieso gut. Ihr müsst einmal hören wenn ich mit tiefer Stimme überraschend belle. Da reißt’s aus dem Stand jede Fußhupe, oh pardon, ich meine natürlich jeden kleinen Hund, vor Schreck mindestens einen Meter nach oben. Inklusive Salto Mortadella oder wie der heißt. Aber das ist noch gar nichts. Ihr müsstet einmal hören wie es klingt wenn ich mich übergeben muss. Mein Chef meint das sei gerade so, als ob ich den Kopf in einem großen Metallkübel hätte. Normalerweise bin ich nachts ja zuverlässig dicht – oben und unten, äh, ich meine vorne und hinten und es passiert ganz selten. Einmal musste ich nachts doch etwas hochwürgen und das Geräusch kannte der Chef von meinen Vorgängern, allerdings nicht in der Lautstärke. Der ist hochgefahren und wollte mich im ersten Reflex hochnehmen und schnell in den Garten tragen wie das bei den Vorgängern meist möglich war. Kopf hoch halten (den des Hundes!) und nichts wie ab ins Freie. In meinem Fall hat ihm gleich beim ersten Versuch seine Lendenwirbelsäule schmerzhaft erklärt, dass das eine Sch…(schlechte) Idee war. Also hat er’s mit Schieben versucht. Habt ihr schon einmal einen kapitalen weißen Riesen, also einen ‚Dicken Paul‘ wie Jonathan und Jakob sagen , Richtung Garten schieben wollen, wenn der sich mit allen Vieren gegen den Boden stemmt, weil er in dem Moment nicht laufen kann, sondern erbrechen muss? Nein, Leute, das funktioniert bei mir nicht, da hilft nur die gesamte Putzarmada herzuholen: Putzeimer mit Wasser, Putzlappen, Schrubber und Sagrotan. Und was war das Ergebnis meines kleinen Missgeschicks, um das der Chef so einen Aufstand machte? Ein Suppenlöffel voll weißer Schaum, das war alles. Nein, natürlich kam der anschließend nicht in einen Suppenlöffel, ich wollte nur die Größe andeuten.

Tja, und nach Weihnachten kamen Silvester und meine selbstgebaute Iglu-Hundehütte im Winterurlaub, aber das ist wieder eine andere Geschichte.

 

 

Bis dahin Jungs und Mädchen, haltet eure Rute steif (die Ohren geht ja nicht) und Kopf hoch – wenn der Hals auch dreckig ist.

Euer Paul

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"Adventsgefühle und weihnachtliche Vorahnungen"
(23.12.2017)

Amy hat mir geschrieben, ich bin im Hundehimmel !!! Eigentlich wollte ich es ja niemandem zeigen, aber ihr seid ja meine Freunde. Aber alles lasse ich euch nicht lesen, nicht, dass ihr neidisch werdet oder euch gar in sie verliebt!

Hallo mein Allerliebster,

Ich freue mich jedes Mal wenn wir uns treffen und zusammen spielen können. Wenn mein Frauchen deinen Namen erwähnt und mir sagt wir kommen zu dir zum Spielen, steigt mir das Blut bis oben in den Backen und ich werde immer gaaaanz rot vor Aufregung. Ich würde dann am liebsten zu dir fliegen ..... und ich werde immer ungeduldiger und aufgeregter... Das Krasseste und Verrückteste, was du für mich gemacht hast, war als du ..... meine Chefin im Auto gehört hast (sie hat an den Weinbergen angehalten und deinem Chef nach oben etwas zugerufen) und als du mich im Auto gesehen hast nach unten mitten durch die Brombeerhecke zu mir gerannt kamst, das war für mich ein Zeichen deiner Liebe und mein Herz hat so stark geklopft, dass ich am liebsten aus dem Auto raus gesprungen wäre …. Ciao mio amato (meine Chefin bringt mir Italienisch bei... sie meint heutzutage sollte man mindestens eine Fremdsprache sprechen um attraktiv zu bleiben!) Deine Amy

Kann jemand von euch Italienisch? Heißt das „Ciao mio amato“ etwa „Zieh aus (Ciao) Katzen (miau) Amateur“ ? Und wieso bin ich auf einmal ein Katzen-Amateur? Vielleicht sollte ich das meinem Chef zeigen, der kennt sich vielleicht auch mit Katzen aus. Moment mal, da kommt er gerade, ich frag‘ ihn. Jetzt bin ich aber froh!! Er hat gemeint, das heißt ganz einfach: „Tschüss, mein Geliebter“ oder auf Schwäbisch: „Adele, mei Schätzle“ und ich soll ihr schreiben und mit „Ciao bella“ aufhören. Was das wohl wieder heißt? Wahrscheinlich bedeutet es so etwas wie „Tschüss, bell‘ auch“. Ich suche die Kamoräne. Wisst ihr wo sie ist? Ich muss unbedingt dorthin und Amy darunter hervor holen. Sie braucht dringend meine Hilfe. Mein Chef hat gesagt Amy blutet und steht deshalb unter Kamoräne. Ich war ganz aufgeregt und habe sie überall gesucht, vergebens. Er hat versucht mich zu beruhigen und gemeint, ich solle mich nicht so verrückt anstellen, das sei halt so eine Frauen-Sache und vergehe wieder, die Chefin kenne sich da besser aus. Im Übrigen heisse es Quarantäne nicht Kamoräne, weil damals die Menschen 40 Tage auf dem Schiff bleiben mussten, um andere nicht anzustecken und 40 auf Französisch ‚quarante‘ heißt. Welche Menschen und was für ein Schiff? Ist mir eigentlich egal, so ein Klugscheißer! Ich will zu Amy. Also ab zur Chefin und sie gefragt was für eine Krankheit Amy hat. Die war ganz komisch und hat mich angewiesen nicht so neugierig zu sein bei Frauenkrams, das dauere bei Amy noch zwei bis drei Wochen und außerdem sei ich dafür noch viel zu jung. Zu jung für was? Jedenfalls ist es für mich eine schlimme Zeit ohne sie und wenn ich ihre Spur im Gras finde, dann bin ich wie unter einer Droge, sauge jeden Geruchfetzen von ihr auf und tropfe richtig aus dem Maul dabei. Mein Chef bekommt mich dann kaum weg von dieser Paradiesstelle. Irgendetwas ist bei uns hier ganz komisch seit Anfang Dezember. Die Chefin steht in der Küche und backt etwas ganz köstlich Duftendes, mittags werden beim Nachmittagskaffee Kerzen angezündet, egal wie es in der Wohnung aussieht. Der Chef hat gaaanz große Schwierigkeiten mit ihr bekommen, weil er den Enkeln ein Weihnachtslied beibringen wollte, das er noch von seiner Kindheit her kennt. Kennt ihr es auch? Es heißt„O Tannenbaum“, hat zwei Strophen und geht so: „O Tannenbaum, o Tannenbaum, die Oma sitzt im Kofferraum. Der Opa schmeißt den Deckel zu und ruft ‚Jetzt gib doch endlich Ruh‘, o Tannenbaum, o Tannenbaum, die Oma sitzt im Kofferraum“. Die zweite Strophe betrifft uns Hunde. ‚O Gaslatern, o Gaslatern, was haben dich die Hund so gern. Sie heben hoch ihr Hinterbein und flößen dir den Brennstoff ein. O Gaslatern, o Gaslatern, was haben dich die Hund so gern‘. Das hat Jonathan und Jakob zwar großen Spaß gemacht, aber die dürfen es mit diesem Text leider auch nicht singen…

Bei uns wird hier seit einigen Tagen geputzt und ge-wien-ert, nein, ge-marbach-t, dass die Staubwedel und Putzlappen nur so glühen. Selbst ich muss mithelfen wie ihr sehen könnt.

 

 

Beim Abstauben bin ich bis unters Dach gekommen und ihr ahnt ja nicht, was ich dort gefunden habe. Ein Tagebuch von einem Geheimdiensthund! Ja, wirklich. Laut Aufzeichnungen war das der Lieblingshund meines Chefs namens Cäsar, damals in Hundefachkreisen bekannt als Geheimagent Cäsar 008, weil er diese Nummer im Ohr tätowiert hatte, wahrscheinlich weil die 007 schon an James Bond vergeben war. Cäsar war ein Staffordshire Bullterrier, 17kg schwer, 38,5 cm hoch und ausgebildet in den Kampfsportarten Kung Pfui, Kaba-Tee und Kitekat. Er hat niedergeschrieben, was er damals zur Weihnachtszeit in der Familie des Chefs erlebt hat. Nachfolgend sein Bericht in voller Länge und jetzt weiß ich, was mich hier an Weihnachten erwartet.

„Es war in meiner ersten Weihnachtszeit. Ich liege da im Wohnzimmer, so richtig gemütlich alle Viere von mir gestreckt, als das Unheil über mich hereinbricht. Was schleppt der Chef da ins Zimmer? Tatsächlich, einen Baum. Ob er den verheizen will? Aber nein, wir heizen ja mit Öl. Ach ist der Chef lieb! Der will nicht, dass ich bei dieser Affenkälte raus muss zum Pinkeln. Wie fürsorglich! Voller Dankbarkeit stürze ich mich sogleich zum Baum, um ihn auszuprobieren. „Cäsar, du Hutsimpel, lass das, der Baum ist nicht für dich!“ So eine Gemeinheit … Das muss ich mir genauer anschauen und nehme den strategisch wichtigen Platz an der Tür ein. Aha, der Chef mag mich doch noch, denn als die 5-jährige Sylvia über mich stolpert, da fährt er sie an: „Pass doch auf den Hund auf, du tust ihm ja weh!“ Zwei Minuten später stolpert er selbst über mich. Jetzt werde ich aber bestimmt herzlich getröstet, wie immer… Pustekuchen! „Sch…köter, geh mir endlich aus dem Weg!“ Was für ein Köder soll ich sein und für wen? Jedenfalls werde ich weggesperrt in den Hauswirtschaftsraum. Der liegt direkt neben der Küche und von dort kommt ein Duft, dem ich kaum widerstehen kann. Es gibt Vogel, ein Riesenviech. Ich hab‘ ihn genau gesehen, als die Chefin ihn herein getragen hat. Ich, ich darf ja kein Geflügel jagen. Das ist streng verboten. Aber die, die darf sich einfach so eine Gans holen. Das ist echt unfair, gans genau. Und das bloß deshalb, weil die Chefin nicht wie ich an die Leine genommen wurde, als sie die Gans sah. Was ist das denn? Der 6-jährige Alexander kommt zu mir her. Bestimmt will er mit mir spielen.. Ich springe freudig auf ihn zu, aber jetzt spinnt selbst der schon. „Keine Zeit, Cäsar, ich muss meine Schuhe putzen“. Alexander und Schuhe putzen!? Da muss etwas ganz Schlimmes passiert sein, denn sonst gibt’s doch immer einen Zwergenaufstand, wenn nur die Rede davon ist. Der putzt seine Schuhe – und auch noch freiwillig? Was ist denn heute eigentlich los? Soeben höre ich die Chefin rufen: „Wo sind denn bloß wieder die Kerzen?“ Kerzen? Ist denn erneut Stromausfall? Prima, dann kann ich mich ja auf das Fleisch aus dem Kühlschrank freuen wie letztes Mal. Moment mal, was sagt sie da zum Chef? „Beeil dich du Lahmar… (nein, das Wort spreche i c h nicht aus!), die Verwandschaft kommt in einer halben Stunde.“ Ach so, das wird heute ein Rudeltreffen … Aber warum sägt dann der Chef jetzt unten am Baum herum? Das tut er doch sonst nie, wenn die Verwandten kommen. Will der etwa den Baum zersägen und ihn unter denen gleichmäßig verteilen? Das muss ich sofort verhindern. Gerade als ich mit Gewalt durch die Schiebetür will sehe ich durch einen Spalt, dass der Baum doch nicht ganz zersägt wird. Er wird unten in eine Schüssel gesteckt. Sonderbar. Und dann behängen sie ihn mit Glaskugeln, Sternen und Lamenti, Maletta oder sowas. Ich werde ganz aufgeregt als Sylvia fragt: „Und wann zünden wir den Baum an?“ Was wollen die? Den Baum anzünden? Meinen Baum und das mitten in der Wohnung? Aber nicht mit mir!! Und schon habe ich die Schnauze in den Türspalt geschoben und sie nach und nach aufgezwängt. Mit einem Satz stelle ich mich vor den Baum und knurre jeden an, der auch bloß in die Nähe kommt. Zu den Kindern und zum Chef sagt die Chefin: „Los, zieht euch um. Werner, du bürstest noch die Hunde.“ Wo ist denn eigentlich mein Kumpel Klaus-Dieter? Typisch, kaum hört dieser weiße Hochlandterrier etwas von Bürste verschwindet er hinten unterm Sofa. Ach so, nun weiß ich endlich warum die heute so hektisch sind! Sie ziehen sich um, weil sie weggehen und wir müssen gebürstet werden, weil wir mit dürfen. Und sie gehen weg, weil das ganze Rudel kommt und sie dann nicht da sein wollen …. Aber Moment! Weshalb dann der Baum??- Ich hab’s: sie wollen da dran pinkeln und den andern eine Nachricht hinterlassen. Augenblick mal, den wollen sie doch anzünden! Und warum schmücken sie ihn dann zuerst? Mir brummt der Schädel vom sovielen Nachdenken und ich verziehe mich in der Küche. Hmmh, hier riecht’s so gut nach Wurst. Da oben liegt sie und einen Zipfel könnte ich vielleicht gerade noch erreichen …. Was für eine Bombenwurst! Der Wurst und mir suche ich ein gemütliches, ganz abgelegenes Plätzchen und genieße sie in aller Ruhe. Aah, nun noch ein kleiner Spaziergang an der frischen Luft und die können mir alle gestohlen bleiben. Also stelle ich mich vor die Tür zum Garten und belle herausfordernd. Somit wissen sie, dass ich raus will. Prompt kommt die kleine Sylvia und tut mir den Gefallen. Draußen ist es wirklich schön. Es muss immer noch Stromausfall sein, denn überall sieht man leuchtende Kerzen an den Bäumen vor den Häusern. Wer ist das denn? Da kommt doch tatsächlich so ein versoffener Typ mit langem, weißen Bart, einem roten Kapuzenmantel und einem Sack auf dem Rücken auf unser Haus zu. Bestimmt ein Einbrecher und der Sack ist für die Beute. Der will doch nicht etwa zu uns? Nicht mit mir!! Wenn der hereinkommt, dann reiße ich ihm ein Loch in die Hose, dass er dieses Jahr bestimmt kein Klopapier mehr braucht! Als ich ihn mit so richtig tiefer Stimme anknurre und er das Glitzern in meinen Augen sieht, da versucht er nur ganz zaghaft und auch nur einmal, über das Gartentor an die Klingel zu greifen. „Na, dann eben nicht!“ murmelt er und verzieht sich. So, den habe ich gründlich verjagt. Als ich wieder rein darf sind alle schon ganz ungeduldig. „Wo bleibt der denn nur? Der Weihnachtsmann müsste doch schon längst hier sein? Ob der wohl unseren Termin vergessen hat?“ Von wem reden die denn nur? „Hat jemand die Wurst für Cäsar gesehen?“ Ach so, das war meine Wurst! Wie schön, dass sie auch an mich gedacht haben…. „Dann müssen wir eben Klaus-Dieters Wurst teilen, damit beide etwas bekommen. Es ist doch schließlich Weihnachten.“ Das finde ich auch und meine Rute wedelt vor lauter Zustimmung. Seit jenem Tag läuft mir das Wasser im Maul zusammen, wenn ich das Wort „Weihnachten“ höre.“

Euch allen FROHE WEIHNACHTEN und EIN GUTES NEUES JAHR 2018 und meinen Wurfgeschwistern alles Gute und dicke Würste zum 1. Geburtstag an Heilig Abend

Wünscht euer Weihnachtshund Paul